Kickbacks, Korruption u. Geschäftsethik

Kickbacks, Korruption u. Geschäftsethik

In diesem Beitrag werde ich meine Ideen und Haltung zu Kernfragen beim Umgang mit chinesischen Lieferanten und Geschäftspartnern behandeln. Es sind Fragen die alle ausländischen Geschäftsleute in China betreffen und die immer heiß diskutiert werden, ob in der Unternehmenszentrale in Deutschland oder in einer Schanghaier Kneipe unter deutschen Geschäftsleuten. Es geht um Kickbacks und Korruption und Vertrauen.

Was sind Kickbacks? – Kickbacks sind durch Kontaktpersonen vereinbarte Provisionszahlungen die vom Lieferanten rückwirkend und im Verborgenen an den Kontakt fließen, nach der Auftragserteilung. Es ist eine Form von Korruption wenn Provisionen, selbst kleine Zahlungen, nicht offen in Verträgen geregelt sind.

Das Vermitteln von Tipps, Kunden oder Anfragen (man könnte es auch als „Netzwerken“ bezeichnen) gehört zur chinesischen Geschäftswelt dazu, so wie der obligatorische Hirse-Schnaps zu erfolgreichen Abschlüssen gehört. Man kann leicht den Eindruck gewinnen, dass jeder Chinese immer einen Bekannten, Cousin oder Onkel hat, der ein Produkt oder Dienstleistung anbietet für das sich im Gespräch gerade Bedarf gezeigt hat.

Die Tradition findet ihren Ursprung vermutlich in der historischen Entwicklung der chinesischen Gesellschaft. Chinesen hatten selten etwas Gutes von ihren Herrschern zu erwarten und mussten ihr Zusammenleben weitestgehend selbst organisieren, ohne einen schützenden Staat. Das Annehmen von Geschenken bei der Vermittlung von Geschäften und das Zuspielen von Gefälligkeiten, diente dazu den eigenen Familienclan zu unterstützen, in einem Netzwerk aus Beamten, Lieferanten und Anderen die für die eigene wirtschaftliche Existenz von Bedeutung waren.

Es lässt sich nie zu 100% feststellen ob ein Kontakt Kickbacks von Lieferanten bekommt. Zu verzweigt sind die Wege über Bankkonten von Freunden, Alipaykonten usw. Man kann, nach meinem Dafürhalten, nur mit einem günstigeren Gegenangebot eines konkurrierenden Lieferanten an die Preispolitik des eigenen Lieferanten appellieren. Die Scheintransparenz bei der Auftragsvergabe und dem Zusammenspiel zwischen Mitarbeitern und staatlichen Stellen reicht bis in die höchsten Manager-Etagen großer chinesischer Konzerne. Größere ausländische Firmen beauftragen Detekteien die sich als Kunden oder Lieferanten ausgeben, um Preise und Geschäftspraktiken bei den eigenen Mitarbeitern abzufragen.

Uns Einkäufern in China zeigt es, dass es sehr schwer sein kann den wirklich günstigsten Preis zu bekommen, insbesondere für komplexere Produkte die mehr als nur einen Lieferanten ins Spiel bringen. Es zeigt auch, dass der Preis den man in China angeboten bekommt immer in einem relativen Verhältnis zu den dahinter stehenden Strukturen steht, die ganz entscheidend sind für die beständige und reibungslose Abwicklung von Bestellungen und Fertigungen. Ein Wareneinkauf der ins Stocken gerät bedeutet immer einen Verlust, weil laufende Kosten nicht mehr gedeckt sind.

Praktische Lösungsansätze mit denen man der Herausforderung von Korruption in China begegnen kann gibt es wenige. Auf dem bekannten englischsprachigen Chinalawblog wird das Thema Kickbacks und Korruption ebenfalls intensiv behandelt: „Avoiding Kickbacks In China. Just Say No.

Für Leser ohne Englischkenntnisse fasse ich kurz zusammen was uns der in Schanghai ansässige Anwalt, Chinaxperte und US-Amerikaner, Dan Harris, zu dem Thema aufzeigt:

Viele Importfirmen interessiert es einfach nicht ob Sie um 10% verschaukelt werden oder nicht. Man könne es nicht verhindern und alles worauf es letztlich ankommt ist was unterm Strich für das eigene Unternehmen beim China-Geschäft abfällt. Andere „Importveteranen“ beschäftigen nur noch Chinesinnen weil Damen sich als widerstandsfähiger erwiesen haben, den Versuchungen der Kickbacks zu widerstehen. Ein anderer westlicher Geschäftsmann berichtet, dass ein Chinese 30 Mio. US-Dollar im Laufe der Zeit abgeschöpft hatte, was durch Immobilienkäufe in Hong Kong und Macau nachgewiesen werden konnte. Insgesamt sind sich die Experten einig, dass man nach westlich-juristischen Maßstäben nichts in der Hand hat um gegen Kickbacks in China vorzugehen.

Entscheidend ist am Ende der Analyse die simple und doch sehr philosophische Empfehlung, von Craig Maginness, seine Unternehmungen in China immer nach einer ethisch vertretbaren Norm auszurichten, d.h. eine absolut konsequente Unternehmensethik zu verfolgen. Gemeint ist ein Fair Play in allen Belangen, d.h. gegenüber Kunden, Partnern, Mitarbeitern und Lieferanten. Dadurch bildet sich im Laufe der Zeit ein positives Bild des eigenen Unternehmens, was im geschäftlichen Umfeld die Aufmerksamkeit von Gleichgesinnten auf sich zieht, mit denen man folglich die Zusammenarbeit eingeht und Synergien bildet. So lassen sich korrupte Kräfte im Laufe der Zeit herausfiltern und die eigene Unternehmung gewinnt an Wettbewerbsfähigkeit. Zitat Maginess:

„Even in corrupt markets, not all business people are corrupt, and even fewer like it that way.“

„Selbst in korrupten Märkten sind nicht alle Geschäftsleute korrupt, und die Wenigsten mögen ein derartiges Umfeld.“

Mich überzeugt diese Einsicht und ich teile sie durch eigene Erfahrungswerte in China. Kritiker mögen dem wahrscheinlich entgegnen, dass es einer Kapitulation gegenüber der Korruption und dem chinesischen Rechtssystem gleichkommt. Das kann man so sehen, aber ein Konzept gegen die Korruption haben diese Kritiker auch nicht. Um es mit den Worten von Craig Maginness zu sagen: „Diese Kritiker sind häufig auch genau die Leute mit denen man die Zusammenarbeit sucht zu vermeiden.“

Die Pflege des Vertrauensverhältnis zwischen chinesischen Geschäftsleuten genießt, im Gegensatz zur westlichen Kultur, einen hohen Stellenwert. Es ist keine gute Idee seine Geschäftsverbindungen ständig unter Generalverdacht zu stellen und zu kontrollieren. Erfährt ein Mitarbeiter oder Lieferant ihm gegenüber empfundenes Misstrauen, wird es die Geschäftsbeziehung nachhaltig stören oder direkt zum Abbruch führen.

Zum Schluss bringe ich noch eine kleine Anregung die mir im Zusammenhang von Geschäftsführung und Ethik in den Sinn kommt, die gerne kommentiert werden darf. Auch im westlichen Geschäftsumfeld wird Geschäftsethik in Zukunft einen immer höheren Stellenwert bekommen und hierfür kann der Westen sich an die asiatische Praxis anlehnen.

Eine konsequente Unternehmensethik kann kleinen und mittleren Unternehmen die Möglichkeit bieten dem globalen Trend, der sich in den Vorstandsetagen der Konzerne weltweit abzeichnet, etwas entgegenzusetzen. Die Rede ist von künstlicher Intelligenz die mehr und mehr in Entscheidungsprozesse eingreift und beginnt Unternehmenspolitik zu formen. Wie weit Algorithmen in Zukunft die menschliche Komponente im Handel verdrängen werden, ist eine spannende Frage. Je früher man sich also mit Unternehmensethik befasst, desto besser ist man im digitalen Zeitalter für die Zukunft aufgestellt.

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